Das Labouchère System, auch als Montante Américaine, Annulation Américaine oder Split Martingale bekannt, gehört zu den beliebtesten Wettstrategien beim Roulette. Diese Methode unterscheidet sich grundlegend von aggressiven Verdopplungssystemen und bietet einen strukturierten Ansatz für Spieler, die ihre Einsätze kontrolliert verwalten möchten. Benannt nach dem britischen Politiker und Journalisten Henry du Pré Labouchère, der von 1831 bis 1912 lebte und den Spitznamen Labby trug, hat sich diese Strategie über Jahrzehnte in Spielbanken weltweit etabliert.
Die Besonderheit des Labouchère Systems liegt in seinem Annulationsprinzip: Jeder Gewinn tilgt zwei vorangegangene Verluste aus der Zahlenreihe, während Verluste lediglich eine Zahl hinzufügen. Diese asymmetrische Struktur ermöglicht theoretisch einen Gesamtgewinn, selbst wenn weniger als die Hälfte aller Wetten erfolgreich sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Progressionssystemen basiert Labouchère nicht auf dem oft missverstandenen Gesetz des Ausgleichs, sondern auf mathematischer Wahrscheinlichkeitsrechnung und kontrolliertem Risikomanagement.
Funktionsweise des Labouchère Systems
Die praktische Anwendung des Labouchère Systems folgt klaren, nachvollziehbaren Regeln. Vor Spielbeginn definiert der Spieler sein Gewinnziel und erstellt eine entsprechende Zahlenfolge. Die klassische Variante verwendet die Sequenz 1-2-3-4, was einem Gewinnziel von 10 Einheiten entspricht. Diese Zahlenfolge kann jedoch individuell angepasst werden, je nach Risikobereitschaft und verfügbarem Kapital.
Der Einsatz für jede Runde errechnet sich aus der Summe der beiden äußersten Zahlen der aktuellen Reihe. Bei der Startsequenz 1-2-3-4 beträgt der erste Einsatz somit 5 Einheiten. Nach jedem Coup wird die Zahlenreihe entsprechend dem Ergebnis modifiziert: Bei einem Gewinn werden die beiden verwendeten Zahlen durchgestrichen, bei einem Verlust wird der verlorene Betrag am Ende der Reihe hinzugefügt.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Durchführung beginnt mit der Notation der gewählten Zahlenfolge auf Papier oder digital. Im ersten Coup mit der Sequenz 1-2-3-4 setzt der Spieler 1 plus 4, also 5 Einheiten auf eine einfache Chance wie Rot oder Schwarz. Gewinnt diese Wette, streicht er die 1 und die 4 durch, sodass nur noch 2-3 übrig bleibt. Der nächste Einsatz beträgt dann 2 plus 3, also 5 Einheiten.
Verliert der Spieler hingegen den ersten Coup, fügt er die 5 am Ende hinzu: 1-2-3-4-5. Der nächste Einsatz errechnet sich aus 1 plus 5, also 6 Einheiten. Dieser Prozess setzt sich fort, bis entweder alle Zahlen durchgestrichen sind und das Gewinnziel erreicht wurde, oder bis das verfügbare Kapital erschöpft ist beziehungsweise das Tischlimit erreicht wird.
Sonderfall: Einzelne Zahl
Bleibt in der Zahlenreihe nur noch eine einzige Zahl übrig, entspricht der Einsatz genau dieser Zahl. Nach einem Gewinn ist die Sequenz abgeschlossen und das Gewinnziel erreicht. Bei einem Verlust wird der Betrag erneut hinzugefügt, und die Reihe besteht aus zwei identischen Zahlen.
Mathematische Grundlagen und Wahrscheinlichkeiten
Die mathematische Struktur des Labouchère Systems basiert auf einem asymmetrischen Tilgungsprinzip. Bei jedem Gewinn werden zwei Zahlen eliminiert, während bei jedem Verlust nur eine Zahl hinzugefügt wird. Diese Konstruktion führt zu einer interessanten Eigenschaft: Theoretisch muss der Spieler nur etwa 33,34 Prozent seiner Wetten gewinnen, um die Zahlenreihe vollständig abzuschließen.
Die Formel zur Berechnung lautet: Wenn die Anzahl der Gewinne x größer oder gleich der Summe aus Verlusten y plus ursprünglichen Zahlen z geteilt durch 2 ist, wird die Sequenz abgeschlossen. Mathematisch ausgedrückt: x größer gleich y plus z geteilt durch 2. Bei einer Startsequenz von sieben Zahlen bedeutet dies, dass selbst bei 87.193 Verlusten und 43.600 Gewinnen die Reihe theoretisch abgeschlossen werden kann.
Vergleich mit tatsächlichen Roulette-Wahrscheinlichkeiten
Beim amerikanischen Roulette mit Doppelnull beträgt die Gewinnwahrscheinlichkeit für einfache Chancen 18 von 38, also etwa 47,37 Prozent. Beim europäischen Roulette mit nur einer Null liegt sie bei 18 von 37, circa 48,65 Prozent. Da das Labouchère System theoretisch nur 33,34 Prozent Gewinnrate benötigt, erscheint ein Sicherheitspuffer von etwa 14 bis 15 Prozentpunkten zu bestehen.
Diese Rechnung berücksichtigt jedoch nicht die progressive Natur der Einsätze. Bei längeren Verlustserien wachsen die erforderlichen Einsätze kontinuierlich an, was sowohl das Bankroll-Management als auch Tischlimits herausfordert. Die tatsächliche Erfolgswahrscheinlichkeit hängt stark vom Verhältnis zwischen Startkapital, gewählter Zahlensequenz und Tischlimits ab.
Vor- und Nachteile des Labouchère Systems
Das Labouchère System bietet mehrere strukturelle Vorteile gegenüber anderen Progressionsstrategien. Die kontrollierte Einsatzsteigerung verhindert das explosive Wachstum, das bei der klassischen Martingale auftritt. Während bei der Martingale nach zehn aufeinanderfolgenden Verlusten bereits 1024 Einheiten gesetzt werden müssen, bleibt der Einsatz beim Labouchère System deutlich moderater.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Flexibilität: Spieler können ihre Zahlensequenz individuell gestalten und so Risiko sowie Gewinnziel an ihre persönlichen Präferenzen anpassen. Kürzere Sequenzen mit kleineren Zahlen reduzieren das Risiko, während längere Reihen höhere potenzielle Gewinne ermöglichen. Die klare Struktur mit vordefinierten Ausstiegspunkten fördert diszipliniertes Spielen und verhindert emotionale Entscheidungen.
Nachteile und Risiken
Trotz seiner Vorteile eliminiert das Labouchère System nicht den mathematischen Hausvorteil des Casinos. Langfristig bleibt die Erwartungswert-Rechnung negativ. Bei längeren Pechsträhnen können die Einsätze dennoch beträchtlich anwachsen, insbesondere wenn die Anfangssequenz bereits hohe Zahlen enthält. Das System erfordert ausreichendes Kapital, um Verlustserien durchzustehen, ohne vorzeitig aufgeben zu müssen.
Ein praktisches Problem stellt die Komplexität dar: Die ständige Notation und Berechnung erfordert Konzentration und kann in der Hektik eines Casinos fehleranfällig sein. Zudem können Tischlimits die Fortsetzung der Strategie unmöglich machen, wenn die erforderlichen Einsätze das Maximum überschreiten. In solchen Situationen ist die gesamte bisherige Investition gefährdet, ohne dass das Gewinnziel erreicht werden kann.
Reverse Labouchère System
Eine Variante der klassischen Strategie ist das Reverse Labouchère System, bei dem die Regeln umgekehrt werden. Statt bei Gewinnen Zahlen zu streichen und bei Verlusten hinzuzufügen, streicht der Spieler bei Verlusten und fügt bei Gewinnen hinzu. Diese inverse Logik zielt darauf ab, von Gewinnsträhnen zu profitieren, während Verluste begrenzt werden.
Das Reverse System eignet sich für Spieler, die an Momentum und Gewinnserien glauben. Es reduziert das Risiko katastrophaler Verluste bei langen Pechsträhnen, da die Einsätze nach Verlusten sinken statt steigen. Allerdings erfordert es auch, dass Spieler ihre Gewinne aktiv begrenzen und rechtzeitig aussteigen, bevor eine Verlustserie die akkumulierten Gewinne wieder aufzehrt.
Praktische Tipps für die Anwendung
Erfolgreiche Anwendung des Labouchère Systems erfordert sorgfältige Vorbereitung. Beginnen Sie mit einer konservativen Zahlensequenz, die zu Ihrem Gesamtkapital passt. Eine Faustregel besagt, dass Ihr Bankroll mindestens das 50- bis 100-fache Ihrer Basiseinheit betragen sollte, um typische Schwankungen abzufedern.
Wählen Sie Tische mit hohen Limits im Verhältnis zu Ihrer Basiseinheit, um ausreichend Spielraum für die Progression zu haben. Dokumentieren Sie jeden Coup präzise und überprüfen Sie Ihre Berechnungen regelmäßig. Setzen Sie sich klare Stop-Loss-Grenzen: Wenn Ihre Zahlenreihe eine bestimmte Länge überschreitet oder Ihr Kapital unter einen kritischen Schwellenwert fällt, beenden Sie die Session.
Auswahl der richtigen Roulette-Variante
Bevorzugen Sie europäisches oder französisches Roulette gegenüber der amerikanischen Variante. Die einzelne Null reduziert den Hausvorteil von 5,26 auf 2,70 Prozent. Bei französischem Roulette mit der La Partage oder En Prison Regel sinkt der Hausvorteil für einfache Chancen sogar auf 1,35 Prozent, was Ihre langfristigen Erfolgsaussichten verbessert.
Vergleich mit anderen Roulette-Strategien
Im Vergleich zur klassischen Martingale bietet das Labouchère System eine deutlich gemäßigtere Einsatzprogression. Die D'Alembert-Progression erhöht Einsätze noch langsamer, bietet aber auch geringere Gewinnpotenziale. Die Fibonacci-Strategie folgt einer mathematischen Sequenz mit ähnlichen Eigenschaften wie Labouchère, jedoch mit unterschiedlicher Progressionsgeschwindigkeit.
Flat-Betting-Strategien mit konstantem Einsatz eliminieren das Risiko eskalierender Wetten, bieten aber keine Möglichkeit, Verluste systematisch zu kompensieren. Das Labouchère System positioniert sich als Mittelweg zwischen aggressiven und konservativen Ansätzen, erfordert jedoch mehr Aufmerksamkeit und Disziplin als einfachere Methoden.
Fazit
Das Labouchère System stellt eine durchdachte Wettstrategie für Roulette-Spieler dar, die Struktur und Kontrolle schätzen. Seine mathematische Eleganz und die moderate Einsatzprogression machen es attraktiver als aggressive Verdopplungssysteme. Dennoch bleibt es eine Strategie innerhalb eines Spiels mit negativem Erwartungswert – kein System kann den Hausvorteil langfristig überwinden.
Für erfahrene Spieler mit ausreichendem Kapital und Disziplin kann das Labouchère System das Spielerlebnis strukturieren und kurzfristige Gewinne ermöglichen. Es eignet sich besonders für Sessions mit definierten Zielen und klaren Ausstiegsregeln. Anfänger sollten zunächst mit kleinen Einsätzen und konservativen Sequenzen experimentieren, um die Mechanik zu verstehen, bevor sie größere Beträge riskieren.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert das Labouchère System beim Roulette?
Das Labouchère System verwendet eine Zahlenreihe, bei der der Einsatz aus der Summe der äußersten Zahlen besteht. Bei Gewinn werden diese Zahlen gestrichen, bei Verlust wird der Einsatzbetrag hinzugefügt. Das Ziel ist erreicht, wenn alle Zahlen durchgestrichen sind.
Ist das Labouchère System profitabel?
Kurzfristig kann das System Gewinne generieren, langfristig bleibt jedoch der mathematische Hausvorteil des Casinos bestehen. Kein Wettsystem kann die statistischen Wahrscheinlichkeiten dauerhaft überwinden. Erfolg hängt von Glück, Kapital und Tischlimits ab.
Welche Zahlensequenz sollte ich beim Labouchère System wählen?
Anfänger sollten mit kurzen, niedrigen Sequenzen wie 1-2-3-4 beginnen. Längere Reihen erhöhen das Gewinnziel, aber auch das Risiko. Die Sequenz sollte zum verfügbaren Bankroll passen, idealerweise nicht mehr als 1 bis 2 Prozent des Gesamtkapitals pro Basiseinheit.
Was ist der Unterschied zwischen Labouchère und Martingale?
Die Martingale verdoppelt nach jedem Verlust, was zu explosivem Einsatzwachstum führt. Das Labouchère System steigert Einsätze moderater durch Addition statt Multiplikation. Dadurch werden Tischlimits seltener erreicht, und das Risiko ist besser kontrollierbar.
Kann ich das Labouchère System online anwenden?
Ja, das System funktioniert bei Online-Roulette genauso wie in landbasierten Casinos. Digitale Tools oder Notizen erleichtern die Dokumentation der Zahlenreihe. Achten Sie auf seriöse Online-Casinos mit fairen Zufallsgeneratoren und angemessenen Tischlimits.
Wie viel Kapital benötige ich für das Labouchère System?
Als Faustregel sollte Ihr Bankroll mindestens das 50- bis 100-fache Ihrer Basiseinheit betragen. Bei einer Basiseinheit von 1 Euro empfehlen sich mindestens 50 bis 100 Euro Startkapital. Höhere Reserven erhöhen die Wahrscheinlichkeit, Verlustserien zu überstehen.
Was ist das Reverse Labouchère System?
Beim Reverse Labouchère werden die Regeln umgekehrt: Zahlen werden bei Verlusten gestrichen und bei Gewinnen hinzugefügt. Diese Variante zielt darauf ab, von Gewinnsträhnen zu profitieren, während Verluste begrenzt werden. Sie erfordert jedoch strikte Gewinnmitnahme-Disziplin.
Funktioniert das Labouchère System auch bei anderen Casinospielen?
Theoretisch kann das System bei allen Wetten mit nahezu 50-prozentiger Gewinnwahrscheinlichkeit angewendet werden, etwa beim Baccarat auf Spieler oder Banker. Bei Spielen mit höherem Hausvorteil oder komplexeren Auszahlungsstrukturen ist es weniger geeignet.